Was ist Ramadan?

Als Ramadan wird der muslimische Fastenmonat bezeichnet. Er dauert 29 oder 30 Tage und ist die dritte der fünf Säulen des Islam neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Gebeten,  der Wohltätigkeit für Bedürftige sowie der Pilgerfahrt nach Mekka. Die Fastenzeit ist für volljährige Muslime eine religiöse Pflicht. „In nicht-arabischen muslimischen Ländern wie dem Iran, Bangladesch, Pakistan oder der Türkei wird es als Ramazan, Ramzan oder Romzan bezeichnet, weil der arabische Buchstabe ض (Ḍād) in ihren Sprachen z macht.“

 

Dem Fasten kommt hierbei eine wichtige Bedeutung im religiösen Leben der Muslime bei, nämlich die Anerkennung Gottes zu erlangen. In den 30 Tagen während des Ramadan-Monats wird zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken verzichtet. Auch auf andere Gelüste wie Rauchen, Alkohol sowie Geschlechtsverkehr. Die Muslime sollen zudem kein aggressives Benehmen zeigen, keinen Krach machen und nach Möglichkeit auf negative Gedanken verzichten. Dies alles bedeutet viel Selbstdisziplin und soll dadurch Geist und Körper stärken. Der Konsumzwang wird gezügelt und mehr als sonst wird Empathie für bedürftige, notleidende Menschen entwickelt. Es kommt einer spirituellen Reinigung gleich und der Besinnung auf die wahren Werte.

 

Während der Fastenperiode stehen die Gläubigen bereits vor dem Sonnenaufgang auf, um zu essen und zu trinken. Den Tag über werden keine Speisen und Getränke verzehrt. Erst nach Sonnenuntergang beginnt das Fastenbrechen und wird mit einer besonderen Gebetszeit, dem Ramadan-Gebet, abgeschlossen. Zum Fasten verpflichtet sind alle volljährigen Muslime. Wobei Volljährigkeit hier das Erreichen der Pubertät bedeutet. Ausgenommen sind Schwangere, kranke und zu alte Menschen oder auch Reisende. Sie sind angehalten, die Fastentage später nachzuholen.

 

Zuckerfest

Im Anschluss an die monate Fastenzeit wird das nach dem Opferfest zweitwichtigste Fest des Islam gefeiert, das sogenannte Zuckerfest. Es besteht aus einem dreitägigen Fastenbrechen. Es findet in dieser Zeit ein Moscheebesuch mit Festgebet statt, außerdem ein Besuch der Eltern und Großeltern. Meistens wird das Zuckerfest gemeinsam mit Verwandten begangen und vor allem die Kinder bekommen oft Geschenke, Süßigkeiten oder Geld.

 

Der Ramadan findet einmal im Jahr im neunten Monat des muslimischen Kalenders statt, jedoch immer zu unterschiedlichen Zeiten. Grundlage hierfür ist der Mondkalender, nicht unser gregorianischer Kalender. Da das Mondjahr kürzer ist als das Sonnenjahr, verschiebt sich die Fastenzeit jedes Jahr um einige Tage nach vorn.

 

Fadjr und Maghrib im Ramadan

 

Ramadan GebetszeitenWährend des Ramadan kommt den Gebetszeiten des Fadjr und des Maghrib eine besondere Bedeutung zu. Beide Gebete gehören zu den fünf obligatorischen Gebeten des Islam. Das Fadschr als erstes Gebet des Tages markiert im Ramadan den Beginn des täglichen Fastens. Es beginnt mit dem Einsetzen der Morgendämmerung und endet mit dem Sonnenaufgang. Das Maghrib hingegen findet in den frühen Abendstunden statt und markiert das Ende des täglichen Fastens. Diese Gebetszeit setzt mit dem Sonnenuntergang ein und endet dann, wenn das Tageslicht vollständig verschwunden ist. Damit wird auch das abendliche Fastenbrechen eingeleitet.

 

Tarawih im Ramadan

 

Ein wichtiger ritueller Bestandteil während der Fastenzeit ist das Tarawih-Gebet. Dabei handelt es sich um ein freiwilliges zusätzliches Ritualgebet. Es findet in den Nächten des Ramadan-Monats nach Mitternacht statt. Es ist zwar keine religiöse Pflicht, wird jedoch als besonders empfehlenswert erachtet. Heutzutage werden die Tarawih-Gebete aus Mekka sogar live im Fernsehen mit englischer und französischer Simultan-Übersetzung übertragen.

 

Zwischen den Rechtsschulen bestehen unterschiedliche Auffassungen, wie das Tarawih-Gebet erfolgen soll. Die Sunniten verrichten dieses Ritualgebet in der Gemeinschaft, die Schiiten hingegen lehnen das gemeinsame Beten des Tarawih ab. Das Tarawih folgt auf das Nachtgebet. In den täglichen Gebetszeiten wird über die 30 Tage des Ramadan hinweg der gesamte Koran zitiert. So ist es jedem Muslim möglich, innerhalb des Ramadan einmal den kompletten Koran zu hören. Dabei wird das erste Tarawih bereits in der Nacht zum ersten Ramadan verrichtet.

 

Da keine sichere Überlieferung des Propheten Mohammed zu der Anzahl der Gebetsabschnitte (‚Rak’as‘) vorliegt, gibt es je nach Rechtsschule unterschiedliche Aufteilungen des Tarawih-Gebetes und variierende Rezitationsformen durch den Imam. Die meisten sunnitischen Rechtsschulen geben 20 Gebetsabschnitte vor bis auf die Malikiten mit 36 Rak’as. Damit handelt es sich bei dem Tarawih um ein relativ langes Gebet, wenn man es mit den normalen täglichen Ritualgebeten vergleicht, die in der Regel aus zwei bis vier Gebetsabschnitten bestehen. Die Dauer kann bis zu 90 Minuten gehen, wobei jeweils nach zwei Taslimas, die wiederum aus jeweils zwei Gebetsabschnitten bestehen, eine Erholungsphase erfolgt. In den Erholungszeiten können Zusatzgebete oder Lobpreisungen auf den Propheten sowie die Prophetengefährten und rechtgeleiteten Kalifen eingeschoben werden. In vielen Moscheen besteht die Möglichkeit, im Anschluss an die gemeinschaftliche Gebetszeit des Tarawih noch an den freiwilligen Witr-Gebeten teilzunehmen.

 

 

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